Gastbeitrag

Unser Leben spielt sich zunehmend online ab. Wir greifen über ein VPN auf den Server unseres Arbeitgebers zu, Überweisungen werden nur noch online durchgeführt und Termine in einem Kalender in der Cloud gespeichert. So viele Vorteile die Digitalisierung auch bringt – sie birgt auch Gefahren.

Denn was wir im Alltag gerne vergessen: Beim Surfen sind wir keinesfalls sicher oder anonym. Unglaublich viele Unternehmen sammeln so viele Daten, wie sie nur irgendwie erfassen können. Behörden verfolgen unsere Online-Aktivitäten.

Wenn Sie dem entkommen möchten, können Sie sich mit einigen Tipps und Tricks ein Stück weit mehr Anonymität und Sicherheit zurückholen. In diesem Gastartikel von PrivacyTutor erfahren Sie, wie Sie diese schnell und unkompliziert umsetzen können.

 

1. Beachten Sie den Datenschutz bei Videokonferenzen

In Zeiten von Home Office sind Videokonferenzen immer beliebter geworden und gehören nun schon fast zum Alltag dazu. Um so wichtiger ist es, dass Sie sich intensiv mit dem Thema Datenschutz beschäftigen. Denn mit den falschen Einstellungen wird im schlimmsten Fall die Privatsphäre aller Teilnehmer gefährdet.

Viele Unternehmen arbeiten mit Zoom, einem Dienst für Videokonferenzen. Er geriet letztes Jahr in die Kritik, da die Sicherheit angeblich zu wünschen übrig ließ. Mit einigen Einstellungen ist es Ihnen als Host aber möglich, für ausreichend Sicherheit zu sorgen.

Schützen Sie Ihre Konferenz unbedingt mit einem Passwort. Ohne dieses Kennwort kann niemand dem Meeting beitreten – das schützt vor ungebetenen Gästen. Schicken Sie das Passwort direkt mit der Ankündigung der Videokonferenz an alle Teilnehmer.

Auch über die Einstellungen können Sie die Privatsphäre aller Teilnehmer schützen. Deaktivieren Sie die Dateiübertragung, sofern Sie nicht benötigt wird. Auch die Funktion “Bildschirm freigeben” sollten Sie deaktivieren – die Funktion “Teilnehmer beim Beitritt stumm schalten” sollte hingegen aktiviert werden, um peinliche Situationen zu vermeiden.

Sind alle Personen der Konferenz beigetreten, können Sie das Meeting sperren – dann kann niemand mehr hinzukommen. Alternativ dazu können Sie einen Warteraum einrichten und jeden Teilnehmer manuell zulassen.

 

2. Bleiben Sie stets Up to Date

Im privaten und beruflichen Alltag nutzen Sie wahrscheinlich weit über 20 verschiedene Programme. Sei es Ihr Online-Kalender, ein Passwort-Manager oder eben ein Dienst für Videokonferenzen wie Zoom. Dabei gilt immer, dass Sie unbedingt alle Updates durchführen sollten.

Für die meisten Programme stehen von Zeit zu Zeit Updates zur Verfügung. Diese können beispielsweise neue oder überarbeitete Funktionen enthalten. Viel wichtiger aber: Sie sind dafür da, Sicherheitslücken zu schließen und Bugs zu entfernen.

Selbst in den besten Programmen kann es zu Problemen mit der Sicherheit kommen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie Updates installieren, sobald Sie zur Verfügung stehen.

Nicht alle Dienste informieren Sie automatisch darüber. Überprüfen Sie also regelmäßig manuell, ob neue Updates durchgeführt werden können. Damit tragen Sie aktiv dazu bei, Ihre Sicherheit zu erhöhen.

 

3. Benutzen Sie sichere Passwörter

Die meisten Dienste und Tools können heutzutage nur mit einem Nutzer-Account verwendet werden. Und das bedeutet gleichzeitig, dass Sie ein Passwort brauchen. So kommen gut und gerne weit über 20 Passwörter zusammen.

Viele Nutzer verwenden deshalb immer wieder dieselben Passwörter oder sogar ein Universal-Passwort für alle Dienste. Das ist absolut gefährlich, denn wird dieses eine Passwort geknackt, haben Kriminelle Zugriff auf verschiedene Konten von Ihnen – im schlimmsten Fall sogar auf alle. Dort können Sie sensible Daten sammeln und damit großen Schaden anrichten.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass Sie für jede Webseite und jedes Programm ein einzigartiges Passwort verwenden. Selbst wenn es dann von Hackern geknackt wird, ist der Schaden wahrscheinlich nicht so groß.

Auch dies können Sie verhindern, indem Sie nicht nur einzigartige, sondern auch sichere Passwörter nutzen. Viele User verwenden sehr unsichere Passwörter wie “12345” oder “Passwort”. Kriminelle erraten solche Kennwörter in Sekunden – dafür benötigen sie nicht einmal ihre professionellen Tools, die Passwörter knacken können.

Sichere Kennwörter zeichnen sich durch einige Eigenschaften aus. Sie sollten mindestens 10 Zeichen umfassen, besser 12. Sie sollten verschiedene Zeichen verwenden (Klein- und Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen) und sie in einer zufälligen Reihenfolge anordnen.

Achten Sie zudem darauf, voreingestellte Passwörter umgehend zu ändern und ihre neuen Kennwörter nicht mehrfach zu verwenden. Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Passwort gestohlen wurde, sollten Sie es sofort ändern.

Versuchen Sie, sich Ihre Passwörter mit einer Eselsbrücke zu merken. Sie sollten sie nirgendwo notieren – nicht auf Klebezetteln an Ihrem Bildschirm und auch nicht in einem Word-Dokument.

Haben Sie Schwierigkeiten, sich viele komplizierte Kennwörter zu merken, sollten Sie einen Passwort-Manager verwenden. Sie geben alle Passwörter in die gesicherte Datenbank ein. Um anschließend auf die Kennwörter zuzugreifen, müssen Sie ein Master-Passwort eingeben. Dieses sollte dann natürlich sehr sicher sein und möglichst viele Zeichen enthalten.

Viele Passwort-Manager bieten Ihnen auch eine 2-Faktor-Authentifizierung. Dann reicht das Master-Passwort alleine nicht aus – Ihnen wird dann beispielsweise noch ein Code auf Ihr Smartphone geschickt, den Sie zusätzlich eingeben müssen.

 

4. Konfigurieren Sie Ihren Browser richtig

Abgesehen von Hackern können auch Ihre Browser-Einstellungen Ihre Privatsphäre bedrohen. Ein bekanntes Beispiel sind Cookies. Eigentlich sollten Sie Ihnen das Surfen erleichtern – heutzutage werden Sie aber hauptsächlich zum (plattformübergreifenden) Tracken verwendet.

Wenn Sie Cookies komplett deaktivieren, schränkt Sie das in Ihrer Nutzung stark ein. Zum Beispiel können Sie die Log-In-Funktion oder den Warenkorb dann nicht mehr nutzen. Sie können aber Drittanbieter-Cookies blockieren und das Tracking zumindest eindämmen. Mit einem privaten Fenster schützen Sie sich zudem vor Browser-Fingerprinting.

Ein grundsätzliches Problem ist aber, dass viele Browser selbst auch Daten von Ihnen sammeln. Bestes Beispiel ist Google Chrome – Google ist bekannt dafür, wie wild Daten zu sammeln.

Deshalb nutzen Sie besser Firefox oder den Brave Browser. Letzterer ist ein Open-Source-Browser, mit dem Sie unkompliziert erfasste Daten löschen können. Umfangreiche Schutzmaßnahmen wie AdBlocking und Anti-Browser-Fingerprinting sind standardmäßig eingestellt.

 

5. Optimieren Sie Google

Bei den Suchmaschinen liegt Google weit vor der Konkurrenz. An Google kommt man nicht vorbei. Lesen Sie die Datenschutzbestimmungen und deaktivieren Sie möglichst alle Möglichkeiten des Trackings und des Nachverfolgens.

Wichtig zu wissen: Es existieren außerdem Alternativen. Denn es gibt inzwischen viele Suchmaschinen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das beste Sucherlebnis mit dem Erhalt der Privatsphäre zu kombinieren.

DuckDuckGo verzeichnet inzwischen über zehn Millionen Suchanfragen am Tag. Die Suchmaschine speichert Ihre IP-Adresse nicht, setzt keine Tracking-Cookies ein und nutzt eine Verschlüsselung mit HTTPS. Es gibt zudem auch einen Hidden-Service und du kannst DuckDuckGo sogar über das Tor-Netzwerk aufrufen.

Auch Startpage ist eine sichere Alternative zu Google. Die selbsternannte “diskreteste Suchmaschine der Welt” speichert keine IP-Adressen, verwendet keine Tracking-Cookies und hat sogar ein EU-Datenschutzrecht-Zertifikat.

 

6. Surfen Sie mit Tor oder einem VPN

Für noch mehr Privatsphäre und Sicherheit sorgen Sie mit einem VPN. Über dieses surfen Sie mit einer anderen IP-Adresse und verschlüssen Ihre gesamte Kommunikation. Viele Internetanbieter erfassen die Aktivitäten ihrer Kunden und verkaufen diese für Werbezwecke. In einigen Fällen drosseln sie auch Ihre Verbindung.

Alternativ dazu können Sie auch das Tor-Netzwerk verwenden. Es besteht aus mehreren Schichten und verschlüsselt Ihre Kommunikation ebenfalls. Ich empfehle Ihnen aber ein VPN, da dieses schneller und einfacher ist als das Tor-Netzwerk.

 

Fazit: Mehr Anonymität & Sicherheit sind möglich

Wer heutzutage einfach drauf los surft, riskiert damit seine Privatsphäre. Ob Hacker, Internetprovider oder der eigene Browser – viele Stellen warten nur darauf, Ihre Daten zu sammeln. Sie werden verkauft, für Werbung gesammelt oder für sonstige Zwecke erfasst.

Machen Sie sich klar, dass Sie sich vor all dem schützen können. Und das ist weder teuer noch besonders aufwendig.   

 


Gastautor

Alexander Baetz ist 24 Jahre alt und arbeitet als freiberuflicher Webdesigner für mittelständische Unternehmen. Seitdem er 2018 seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hat, beschäftigt er sich mit der Privatsphäre im Internet. Was er dabei gelernt hat, zeigen er und seine Freundin Lena auf www.privacytutor.de

Kategorien: Allgemein, Recht, Sicherheit

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